Es begann mit dem "Königsberger"

Vor mehr als 500 Jahren hat Johannes Müller, ein junger Mann aus Königsberg, seine Liebe zur Astronomie entdeckt. 1976 hat die Stadt Königsberg anlässlich der Benennung des Haßfurter Gymnasiums nach diesem Regiomontanus, wie er sich später nannte, die Fernrohre gestiftet.

 

Wozu eine Sternwarte?

Tief hineingelegt in den Menschen als vernunftbegabtes Wesen ist die Anlage, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen, und auch die Frage: ,,Wo befinden wir uns?". Die Astronomen sagen: ,,In einem schier unendlich großen Weltall auf einem kleinen Planeten mit (soweit bekannt) einmalig günstigen Lebensbedingungen für Mensch, Tier und Pflanze." In unserer wissenschaftsgläubigen Zeit übernehmen wir in der Regel ungeprüft als Wahrheit, was wir in Büchern geschrieben finden, denn vieles können wir gar nicht überprüfen. So ist es eine gute Sache, sich durch einen Blick durchs Teleskop selbst ein Bild machen zu können und sich nicht auf Bücher allein verlassen zu müssen. Regiomontanus empfand das zu seiner Zeit ebenso. Er schrieb um das Jahr 1464: ,,Ich kann mich nur wundern über die geistige Trägheit unserer Sternkundigen, die wie leichtgläubige Weiber als göttlich und unveränderliche Wahrheit ansehen, was sie in den Büchern ... finden. Sie glauben den Schriftstellern und vernachlässigen die Wahrheit." Er, der noch kein Fernrohr kannte, würde uns um unsere Sternwarte beneiden.


Die Ausstattung

2015 3 20 Partielle Sonnenfinsternis   

Die Instrumente
Ein Newton-Spiegelteleskop (Spiegeldurchmesser 20cm, Brennweite 120cm) und ein Refraktor (Fernrohr mit optischer Linse von 12,5 cm Durchmesser und 156 cm Brennweite) auf einer stabilen Montierung blicken gemeinsam zur gewünschten Stelle am Himmel. Weil sich die Sterne ständig von Osten nach Westen bewegen, werden diese Instrumente von einem Motor entsprechend mitgeführt. Des weiteren steht noch eine Flatfieldkamera (1:3,5 / 500mm) zum Fotografieren von Sternfeldern zur Verfügung.

   

Hätte nicht ein Instrument genügt?
Eine alte Astronomenweisheit "Jedes Fernrohr hat seinen Himmel" will sagen, daß ein bestimmtes Instrument für "seine" Himmelsobjekte ganz besonders gut geeignet ist. Der Refraktor mit hohen Auflösungsvermögen erzeugt ein sehr scharfes, aber weniger helles Bild zum Betrachten von Sonne, Mond und Planeten, während das größere Lichtsammelvermögen des Spiegelteleskops die zarten Nebelfleckchen der fernen Galaxien erst ins rechte Licht rückt. Verwandelt man das Newton durch ein Spiegelreflexgehäuse in eine Kamera mit Teleobjektiv und den Refraktor durch ein Fadenkreuzokular in ein Leitrohr, mit dessen Hilfe der Astronom das System während der Belichtungsdauer exakt auf einen Stern ausrichtet, so ergeben beide Instrumente kombiniert erst die ganze Stärke der Sternwarte. Das Licht, über Stunden auf dem Film gesammelt, läßt dort Bilder entstehen, die das Auge auch im Fernrohr nicht mehr wahrnehmen kann.

 

Seit 1995 besitzt die Sternwarte auch eine CCD-Astrokamera der Marke ST-7 von SBIG. Die CCD-Fotografie bietet folgende Vorteile:

1. Die elektronische Kamera ist weit lichtempfindlicher als die besten Filme herkömmlicher Art und ermöglicht Bilder hauchzarter Himmelsobjekte, von denen man mit üblichen Filmen nicht einmal zu träumen wagte.

2. Da ihr Bild elektronisch ausgewertet und auf dem Computerbildschirm dargestellt wird, kann es der Beobachter sofort nach der Aufnahme in der Sternwarte betrachten. (Ein herkömmlicher Film muß erst im Labor entwickelt werden!)

3. Durch die Straßenbeleuchtung wird der Nachthimmel über der Stadt Haßfurt aufgehellt, was die Beobachtung durch das Teleskop mit dem Auge, aber auch das Fotografieren mit normalen Filmen beeinträchtigt. Durch elektronische Nachbearbeitung kann diese Himmelsaufhellung weitgehend eliminiert werden, so daß trotz nicht mehr idealer Sichtbedingungen noch gut beobachtet werden kann.